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Montag, 26. November 2012

ach, übrigens

Wenn man in der Türkei studieren möchte, dann muss man eine Prüfung ablegen. Anders als in Deutschland ist nicht die Abschlussnote aus der Schule entscheidend, wenn es um die Wahl der Universität geht, sondern eine dreistündige Prüfung, deren Ergebnis die Eintrittskarte zu den Eliteuniversitäten des Landes sein kann - oder selbige für immer unzugänglich macht. In Istanbul gehören unter den privaten Universitäten die Koç Üniversitesi und die Sabancı zu den elitären Orten, für die das Ergebnis der erwähnten Prüfung wirklich gut sein muss, die Yeditepe ist eher im Mittelfeld anzusiedeln. Und auch, wenn das Äußere meiner Gastuniversität sehr ansprechend erscheint, so ist doch hinter der gepflegten Fassade und der modernen Ausstattung nicht viel Qualität zu finden, zumindest meiner Erfahrung nach. 
Das universitäre Niveau ist in keiner Weise mit dem in Deutschland zu vergleichen, der Anspruch an die zumeist (Achtung, Verallgemeinerung) wohlhabenden und verwöhnten Studenten eher entspannt. Und so kommt es dann, dass wir mitten im Semester, und das noch kurz nach der Zeit der Midterms, einfach mal eine Woche frei bekommen, weil anscheinend viele der Lehrer durch das Land reisen und die Universität bewerben. Ist ja schön und gut, aber eine ganze Woche ohne Unterricht, nur, damit ein paar der Lehrer Werbung machen gehen können? Interessante Mentalität. 
Unterm Strich ist es doch wieder gut für mich, denn so muss ich diese Woche keinen Finger krümmen und kann mich ganz um all die Dinge kümmern, die ich so oder so schon viel zu lange mal machen wollte. Meinen Weblog aktualisieren zum Beispiel. Und ohne Grund bis fünf Uhr morgens aufbleiben. Schweres Studentenleben!

Mittwoch, 17. Oktober 2012

zwei monate türkei. sie faziziert wieder.

Dieser Post wäre eigentlich am 6. Oktober fällig gewesen. Weiß ja keiner, darum gibt es den heute.
"But I really have to say...as much as I hate parties, this", Frederike macht eine ausladende Geste, die die gesamte Bosporus-Küste und die Brücke darüber mit einschließt, "is amazing." 
Ich lasse meinen Blick über die Küstenlinie wandern, über die vielen bunten Lichter, die die Umrisse der Gebäude schattenhaft nachzeichnen, das Wasser, das von den Beleuchtungen der Stadt angestrahlt wird und geisterhaft schimmert, das farbenfrohe Lichtspiel über der Bosporusbrücke, und nicke in stummer Zustimmung. Die inbrünstige Begeisterung, die in der Stimme der deutschen Erasmus-Studentin mitgeschwungen ist, wirkt infektiös, und mir wird einmal mehr bewusst, wie glücklich ich darüber bin, hier zu sein. Nicht nur hier, auf diesem vollgedrängten Boot voller partywütiger Erasmusstudenten, sondern hier, in Istanbul, hier, in der Türkei. 


Es ist nun heute schon zwei Monate her, dass ich in Berlin meinem Vater zum letzten Mal zuwinkte, ehe er hinter den Absperrungen am Flughafen Schönefeld verschwunden war. Seit ich in den Flieger stieg und zwischen Müdigkeit und Aufregung hin- und hergerissen gar nicht wusste, was ich denken sollte. 
Als ich vor acht Wochen hier ankam, sprach ich kein Wort Türkisch. Inzwischen hat sich das geändert. Die Sprache, die damals noch so fremdartig und abstrus anders erschien, hat einen ganzen Teil ihrer Fremde verloren und ist nun zwar immer noch weit davon entfernt, mir vertraut zu sein, aber ich bin, wie ich immer wieder betone, überlebensfähig. Dass das stimmt, habe ich in zahllosen Situationen bereits für mich selbst und Andere beweisen können. Doch der Weg, der noch vor mir liegt, ist weit - dieser Eintrag soll einen kleinen Einblick in all die Stolperfallen gewähren, die die türkische Sprache so bereithält.

Lektion 1: Bir bira lütfen!
Wenn dem aufmerksamen Beobachter von Erasmus-Studenten eines auffällt, dann, dass ein jeder Neuankömmling ohne Türkischvorkenntnisse innerhalb kürzster Zeit versteht, dass es einfach Dinge gibt, die man in der Landessprache beherrschen sollte. Und so können dann alle nach ein paar Tagen das beinah allabendliche Bier bestellen und sich artig für erbrachte Dienstleistungen bedanken. Das Zählen bis zwanzig ist innerhalb weniger Tage gemeistert. Bei so Manchem stockt es danach, Manche hingegen - so wie ich, wie ich bescheidenerweise sagen muss - beherrschen auch die grossen Zahlen bis in die Tausender innerhalb weniger Tage. Was dann jedoch folgt, ist der Härtetest auf der Strasse und ausserhalb des Klassenraums: Kommunikation mit den Einheimischen. Und da liegt der Haken. Denn die Ortsansässigen Türken haben, so zeıgt sich schnell, ihre Sprache nicht aus dem Lehrbuch erlernt. Und wer da schon als Ausländer nach dem Preis fragen muss, der wird dann auch hemmungslos mit originaltürkischer Aussprache konfrontiert. Dass da die Zahl zweihundert, iki yüz, nicht "iikii jühs", sondern viel eher wie "iküz" ausgesprochen wird, versteht man schnell, und dass "yirmi beş" auf der Strasse viel eher klingt wie "yürmbäsch", das sieht man dann auch relativ schnell ein. Allerdings darf sich ein jeder Leser an dieser Stelle die zahllosen Situationen ausmalen, in denen nicht nur ich, sondern auch viele meiner nichttürkischen Mitmenschen ein überdimensionales Fragezeichen auf dem Kopf hatten. 

Lektion 2: Adın ne?
Die erschreckend wenigen Mit-Erasmusler, die Sprachkurse belegen, werden genau wie ich zunächst mit der stets gleichen Konversation bestraft, die sie lernen müssen, bis sie nachts davon träumen, und die den Einstieg in die deutsche Sprache erleichtern soll. 
"Hallo, wie geht es dir?"
"Mir geht es gut, und dir?"
"Gut, danke. Wie ist dein Name?"
"Klaus. Und deiner?"
"Erika."
"Schön, dich kennen zu lernen."
"Ebenfalls." 
Und wieder: der eifrige Student, der dies schnell meistert, geht auf die türkischen Straßen und redet mit türkischen Menschen in türkischer Sprache - und dann benutzen die andere türkische Wörter als die, die man soeben in mühevoller Kleinarbeit in sein kleines Köpfchen geprügelt hat. Als Engin das erste Mal in Antalya vor mir stand und fragte: "Ismin ne?", habe ich ihn nur angeschaut, als käme er von einem anderen Planeten. Beim dritten Anlauf benutzte er dann ein mir vertrautes Wort (Adın ne?), da hat es schlussendlich Klick gemacht. Mir würden aber auf Anhieb noch fünf weitere Floskeln einfallen, von denen wir eine Version gelernt haben, obwohl andere Versionen mindestens genauso oft verwendet werden. Irritierend!

Lektion 3: Bir şeyler içmek istiyor musun? Oder auch: Brşlrçkormsun?
Da wir ja schon bei türkischer Aussprache waren, hier einmal die claudiophone Umschreibung des in der Überschrift erwähnten Satzes: 
[ BIER scheyLER ietschmek estieyohr muhSUNN? ]
Was die Türken daraus in ihrer alltäglichen Kommunikation machen, hat nicht viel damit gemeinsam. 
[ Brrschhlrrrtschkormsunn? ]
Ich denke, die Schwierigkeit hierbei wird deutlich. Manchmal denke ich, wenn man ordentlich und akzentfrei Türkisch sprechen möchte, muss man einfach lernen, bei hoher Geschwindigkeit effektiv zu nuscheln.

Lektion 4: Did you learn all that in just two months?
Nun ja, offensichtlich, ja. Könnten wir jetzt bitte wieder dazu übergehen, Türkisch zu sprechen, und den Teil mit den Komplimenten überspringen? Abgesehen davon habe ich nicht mehr gesagt als das, was ich schon nach zwei Wochen Sprachkurs konnte. Ernsthaft, das Wort intensiv impliziert, dass man große Fortschritte innerhalb kurzer Zeit macht. Ist das wirklich so schwer zu verstehen?

Lektion 5: Yabancı mısın?
Ehrlich mal, so eine Frage wäre in Deutschland unter allem Niveau. Hallo, sind Sie Ausländer? Aber man ist hier ja nicht in Deutschland und kennt das Nationalgefühl der Türken ja schon zur Genüge - mehr dazu am 29. Oktober, dem Feiertag der Republik -, darum gewöhnt man sich recht schnell daran, auf diese Frage (die man wirklich sehr häufig zu hören bekommt) nur zu antworten: Ja, ich bin Ausländer. Ist ja auch so. 

Lektion 6: Arkadaşlar, gelecek hafta benle sınıftan sonra üniversiteden yakında çay içmek istiyor musunuz?
Freunde, möchtet ihr nächste Woche nach der Stunde mit mir in der Nähe der Uni einen Chay trinken gehen? Tim musste diese Frage bestimmt dreimal wiederholen, ehe er sich in der Gruppe der Studenten, die nach dem zweimal wöchentlich stattfindenden Türkischkurs an der Yeditepe vor dem Klassenraum standen und sich unterhielten, Gehör verschafft hatten. Ja, möchten wir, kam von allen die einstimmige Antwort, gefolgt von ein paar weiteren Minuten Konversation auf Türkisch. Ich kann diesen unbändigen Stolz nicht so richtig beschreiben, dass ich inzwischen tatsächlich in der Lage bin, ganze - wenn auch simple - Konversationen auf Türkisch zu führen. 

Lektion 7: Sen Türkçe konuşuyor musun?
Du sprichst Türkisch? Jedes Mal, dass ich diese Frage in Begleitung mit einem milde überraschten Gesicht gestellt bekomme, antworte ich inzwischen nur noch lächelnd und mit einem Schwall Sarkasmus: Tabii ki, çok iyi konuşuyorum. Natürlich, sehr gut.

Donnerstag, 11. Oktober 2012

diary of an erasmus student

Dienstag, 09.10.2012

06:12 Uhr
Der Wecker geht an. Ganz Schön Feist erklärt mir, er wäre ein Gänseblümchen. Ich ignoriere ihn.

06:54 Uhr
Ich quäle mich aus dem Bett, was die erste wirklich beeindruckende Leistung des Tages ist. Gehe duschen, ziehe mich an - und stelle fest, dass ich Wäsche waschen muss -, packe meine Sachen und verlasse um kurz nach halb acht das Haus.

07:48 Uhr
 
Ich kaufe bei dem netten Mann am Busbahnhof einen Simit für einen Lira. Mein Frühstück.

08:00 Uhr
Ich steige in den Bus, ziehe meine Busfahrkarte mit Studentenrabatt über das Geraet, dass den wahnwitzigen Betrag eines ganzen Liras abbucht, dann suche ich mir einen Platz im hinteren Teil des Busses, wo ich mit viel Krümeln mein Frühstück verzehre.

09:05 Uhr
Ich erreiche den Klassenraum; Nate, mein amerikanischer Mitstudent, ist schon da und begrüsst mich mit den Worten "You look exhausted." Was für ein nettes Kompliment!
Er umarmt mich zur Begrüßung, während ich erkläre: "I AM exhausted."
"So, how was your weekend?", fragt er, und ich drücke mich an ihm vorbei, um auf dem Stuhl neben seinem Platz zu nehmen.
"Exhausting?", biete ich als Erklärung an. Er lacht.

09:20 Uhr
Unsere Lehrerin erreicht den Klassenraum - nicht, wie ich dachte, mit zwanzig Minuten Verspätung, sondern in der Tat zehn Minuten zu früh (ich hatte mir einfach den Beginn des Unterrichts falsch gemerkt) - und mit ihr einige unserer türkischen Kommilitonen, von denen einer uns noch vor Beginn der Stunde bei Facebook zur Gruppe des Kurses hinzufügt. Man muss sich ja immer sozialisieren.

09:36 Uhr
Der Unterricht beginnt. Wir hören die erste Präsentation der anstehenden Midterm-Assignments (zu denen ich an anderer Stelle einen einzelnen Eintrag veröffentlichen werde). Es ist langweilig.

10:53 Uhr
Die Stunde ist beendet, ich gehe mit Nate, einem Deutschen und einem Österreicher zum "Pilav-Mann", einem Reis-Schnellrestaurant, das sich vor den Toren des Campus befindet und das eeeeeiiigentlich "Pilav Dünyası" heißt. Die Muskeln in meinen Beinen protestieren beim Erklimmen des Hügels zum Eingang des Campus, das ganze Schleichen und Huschen beim Paintball am Sonntag fanden die irgendwie nicht so angenehm. Das Essen in diesem unserem Stammlokal ist fantastisch und verhältnismäßig günstig, die Unterhaltung beim Essen verhalten, aber angenehm. Wir reden über den Wochenend-Trip nach Kappadokien, der am Donnerstag beginnen wird.

12:06 Uhr
Ich erreiche den Klassenraum für Advertising Photography und unterhalte mich ein bisschen mit Charlotte und Luisa aus Österreich und Holland, ehe der Unterricht beginnt. Advertising Photography ist mein Lieblingskurs in diesem Semester, auch wenn ich am Liebsten neben all den realitätsnahen Praxisbeispielen ein paar abstrakte, wissenschaftliche Texte lesen würde. Werbefotografie ohne theoretischen Hintergrund zu erlernen hat meiner Ansicht nach wenig Sinn, aber vielleicht bin ich auch einfach nur vorgeschädigt. Am Ende der dreistündigen Sitzung bekommen wir die Aufgabe, mithilfe von externen Blitzgeräten verschiedene Variationen auszuprobieren. Da ich keines besitze, rede ich nach der Stunde mit dem Lehrer und frage, ob es möglich wäre, so etwas von der Uni auszuleihen. Nach einigem Hin und Her verspricht er, mich am selben Abend am Bullen in Kadiköy zu treffen und mir sein eigenes, privates Blitzgerät auszuleihen. 

15:17 Uhr
Ich trete in den kleinen, mit vier Mac-Computern ausgestatteten Arbeitsraum, der den Studenten in meiner Fakultät zur Verfügung steht. Einer meiner Kommilitonen vom Mittagessen ist bereits da und schneidet ein Video eines seiner Kurztrips zusammen. Ich setze mich an einen der Rechner und tippe ein paar Zeilen für das Zwei-Monate-Fazit (das sehr verspätet irgendwann bald mal kommt), verzweifle allerdings an der Tastatur. 

16:08 Uhr 
Auch die dritte Sitzung an diesem Tag erreiche ich verspätet. Türkisch. Die Klasse hat gerade begonnen, die Hausaufgaben zu vergleichen, als ich leise in den Raum schlüpfe und mich auf einen der freien Plätze setze. Ich war ja den ganzen Tag über relativ müde, aber jetzt ist es besonders schlimm. Wir lernen, wie man ausdrückt oder fragt, dass oder ob man etwas kann, und ich muss mich anstrengen, nicht einzuschlafen, sondern aufmerksam zu bleiben. Schweres Studentenleben.

17:47 Uhr
Ich stehe endlich am Bus auf dem Weg nach Hause. Die anderen Türkischlerner gehen noch gemeinsam Tee trinken, aber erstens bin ich um Sieben mit meinem Werbefotografielehrer in Kadiköy verabredet, zweitens beginnt um 18 Uhr im Hush Hostel eine Grillparty, die ich eigentlich gern besuchen möchte, darum verschiebe ich das Kontakteknüpfen hier auf nächste Woche. 

18:55 Uhr
Ich erreiche meine Wohnung, schreibe Christiaan, dass ich später zur Grillparty kommen werde, rufe meinen Lehrer an. Christiaan schreibt, er würde gerade kochen und somit nicht grillen, ich könne rüberkommen, wenn ich wollte, es wäre genügend zu Essen da. Mein Lehrer sagt, er bräuchte noch mindestens eine weitere halbe Stunde. Ich packe meine Wäsche in die Waschmaschine. 

19:10 Uhr
Ich verlasse die Wohnung. 

19:35 Uhr
Mein Lehrer ruft mich zurück, er wäre jetzt zu Hause und würde sich auf den Weg machen. Ich beende mein Mahl zügig, dann mache auch ich mich wieder auf den Weg.

19:57
Ich treffe meinen Lehrer an der Bullenstatue im Zentrum von Kadiköy. Er zeigt und erklärt mir sein Blitzgerät im Schnelldurchlauf, dann überreicht er es mir. Überschwänglich dankend verabschiede ich mich und mache mich auf den Weg nach Hause, um es sicher zu verstauen.

20:32
Christiaan und ich kommen im Hush Hostel an. Die vertraute Umgebung des Gebäudes erfüllt uns beinahe mit so etwas wie Melancholie, all die "neuen" Gäste im Hostel geben uns das Gefühl, einer alten Generation anzugehören.  Wie lange ist es schon her, seit wir in diesem Haus übernachtet haben!  Gerade einen Monat, aber nun ja. Hannah, Nienke, Vicky und ein paar andere unserer Freunde aus Istanbul sind bereits da, in den nächsten Stunden kommen noch ein paar weitere hinzu. Die Stimmung ist angenehm, die Menschen wie immer nett und ich kann mir sogar ein wenig Salat schnorren.

21:46
Die Gartenparty ist vorbei und wir werden von den Mitarbeitern des Hostels beinahe wie in einer Art Schafherde durch das Zentrum von Kadiköy zum "neuen" Hush Hostel gescheucht, das vor ein paar Tagen eröffnet hat und über eine wundervolle Dachterrasse verfügt. Dort sitzen wir noch ein wenig und unterhalten uns, ehe die Vernunft uns einholt und ich mich auf den Weg in Richtung Bett mache. 

00:04 Uhr 
Ich bin zu Hause und starte noch einmal den Computer, um zu schauen, was es im Internet so Neues gibt. Eigentlich muss ich in sechs einhalb Stunden wieder aufstehen, aber manche Dinge müssen eben sein. Ich chatte noch ein wenig mit Lena, dann werde ich von Onur, einem türkischen Kommilitonen, angeschrieben und betreibe ein wenig Smalltalk, ehe ich mich von Facebook und der Welt verabschiede und innerhalb kürzester Zeit meinem wohlverdienten Schlaf entgegendöse.

Sonntag, 30. September 2012

schedule

Pazartesi | Montag
keine Lehrveranstaltungen


Halı | Dienstag
  9:00 - 12:00 - TV Commercial Practicum 
12:00 - 15:00 - Advertising Photography
16:00 - 18:00 - Turkish for Foreigners Stufe 2


Cumartesi | Mittwoch
  9:00 - 12:00 Advertising and Positioning

Perşembe | Donnerstag

13:00 - 16:00 Photography and Visual Techniques
16:00 - 18:00 Turkish For Foreigners Stufe 2

Cuma | Freitag

  9:00 - 12:00 Positioning Strategies in Advertising

Ich werde in nächster Zeit nach und nach ein bisschen was über die Unterrichtsqualität an der Yeditepe berichten, muss allerdings selbst erst einmal ein paar Erfahrungen dazu sammeln. 

Samstag, 29. September 2012

Momentaufnahmen

mit Mustafa
Mittag!
Idiotie zur Mittagszeit

Eleganz in Thermessos


Amphitheater
Essen in Antalya'scher Mensa
Lernalltag

Cay und Simit
Deutsch - Slowakin - Tschechin
Kollabierende Studenten
 im Prüfungsstress.
Ich starre auf den blinkenden Cursor, der das reine Weiß der leeren Word-Seite in seinem stetigen Rhythmus durchbricht, und versuche, mir eine gute Herangehensweise für einen neuen Blogeintrag zu überlegen. Eigentlich müsste ich schlafen, es ist kurz vor 12 am Mittwochabend. Ich bin gerade aus dem Kino gekommen, habe mir mit Christiaan einen Film angesehen. Morgen muss ich irgendwann vor sieben aufstehen, da um 9 meine Uni beginnt und ich ausnahmsweise mal pünktlich sein möchte. Bis auf das Tippen der Tasten und gelegentlichen Geräuschen auf der Straße, dem Quietschen von Reifen, dem Hupen der Dolmuş‘, ist es vollkommen still hier. Ich habe eine ruhige Wohnung gefunden. Doch wie kann ich deutlich machen, mit was für einer Flut an Impressionen ich in den letzten Wochen überrollt wurde? Kann ich nicht. Ich kann nur kleine Einblicke geben, Momentaufnahmen, Bildausschnitte aus meiner Wahrnehmung und Erinnerung.

Antalya’dan | Aus Antalya


„…Und darum bitte ich euch, die Türkei in euren Heimatländern zu unterstützen, damit wir in die Europäische Union kommen können! Vielen Dank, dass ihr die Türkei gewählt habt.“

Höfliches Klatschen ertönt. Ich sehe mich im Saal um und sehe viele höflich dreinschauende Gesichter. Die Rede des ersten wichtigen Anwesenden an diesem Tag (wichtig als subjektive Bezeichnung aus der Sicht des Organisators, meines Lehrers Ümit – ich habe mir nicht einmal die Positionen für fünf Minuten lang merken können) ist vorüber, eine zweite folgt sofort, diesmal allerdings in türkischer Sprache. Der Sprechende scheint sich allerdings nicht darüber im Klaren zu sein, dass man nach drei Wochen Sprachkurs noch nicht fähig ist, ganzen Reden zu folgen. Außerdem blendet er erfolgreich aus, dass man auch nicht mehr Wörter versteht, wenn er die ganz langsam ausspricht. Aber er meint es gut. Nach der Eröffnung werden die Sprachzertifikate überreicht, eine aufwendige Mappe mit dem Wappen der Universität und einem einzigen Blatt Papier darin, das bescheinigt, dass ich „erfolgreich am Intensivsprachkurs teilgenommen“ habe. 
Wie übrigens jeder andere aus dem Kurs.

„Ich kann nicht glauben, dass wir die anderen wirklich nie wieder sehen!“
Annikas Stimme spiegelt wider, wie schwer ihr diese Vorstellung fällt, und wie nah sie ihr unerwarteterweise geht. „Ich realisiere das erst jetzt…“ Ich nicke abwesend und starre auf den Boden, während ich neben ihr durch die brütende Mittagshitze laufe. Ich habe mich an diese Art Abschied gewöhnt, rede mir ein, dass man davon viele im Leben hat. Die Wahrheit ist, dass ich mich einfach nicht weiter damit auseinandersetzen will. „Aber wir haben ja immer noch die Party bei Markus heute Abend“, wende ich schlussendlich ein, „vielleicht sollten wir hingehen.“ Annika stimmt zu.

„Ich gehe.“
Ich schaue Recep ein wenig bedauernd an. In den letzten Wochen sind wir zu einer merkwürdigen Art Freunde geworden. Die Art Freunde, bei der die Kommunikation aufgrund von Sprachbarrieren (brüchiges Englisch und Anfängertürkisch) eingeschränkt ist und die achtzig Prozent der Zeit damit verbringen, sich gegenseitig niederzumachen. Keine sonderlich emotional nahegehende Verbindung, und doch habe ich dieses Geplänkel zu schätzen gelernt.
Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, einen Sekundenbruchteil lang etwas wie Bedauern in seinen Augen aufblitzen zu sehen, ehe er es wie immer mit seinem rüpelhaften Verhalten überspielt und mir gespielt cool die Hand reicht. „We will meet again“, erkläre ich ihm, denn in diesem Moment steht für mich nichts mehr fest als dass ich wieder nach Antalya kommen muss, das paradiesische Antalya, diese wunderschöne Stadt mit dem bezaubernden Yachthafen und der wunderschönen Altstadt und den Strandbesuchen im Mondlicht und den herzlichen Menschen und und und … „Bye.“ Er nickt mir zum Abschied zu, dann drehe ich mich um - und gehe. 


İstanbul’a | Nach Istanbul

İyi günler. Bugün otobüs İstanbul’a var mı?” Guten Tag. Gibt es Busse, die heute nach Istanbul fahren? Ich lächele die Frau vor mir unsicher an. Sie hakt nach, wann genau ich fahren möchte, und sucht dann in ihrem Computer Verbindungen, die sie mir anschließend auf einen kleinen Zettel schreibt. 21:30 Uhr – 9:30 Uhr. Ich schüttele den Kopf, frage versehentlich, ob es spätere Verbindungen gibt, bis mir auffällt, dass ich die Vokabeln verwechselt habe und in Erfahrung bringe, dass an früheren Bussen einer um 18:00 vom Busbahnhof in Antalya abfährt. Es gibt genau einen freien Platz, Sessel 11. Kosten der Fahrt: 65 Lira. Wunderbar, den nehme ich.  Mithilfe unserer Zettelkommunikationsmethode teilt mir die nette Mitarbeiterin der Busagentur Metro noch mit, dass ich um 16:45 vor dem Büro stehen soll, um dann mittels eines Shuttle-Busses zum Busbahnhof transferiert zu werden. Ich schaue auf die Uhr. Das heißt, vier Stunden Zeit. Vielleicht sollte ich in Betracht ziehen, allmählich meine Sachen zu packen. Ich nicke, um mein Verständnis anzuzeigen, dann verabschiede ich mich und gehe. Zum Schluss fragt mich die gute Frau noch in typisch türkischer Manier darüber aus, an welcher Uni ich denn in Istanbul studieren werde. Yeditepe. Für fünf Monate. Ich studiere Medien. Medien. Mä-di-jen? Fernsehen, Radio, Internet...? Beim vierten Anlauf versteht sie, was ich damit meine.

“Affedersiniz? İstanbul’a gidiyor musunuz?“ Entschuldigen Sie, fahren Sie nach Istanbul? Der Mann in weißem Hemd mit „Metro“-Aufdruck nickt bestätigend. Ich gebe ihm meine Koffer, die er wie an Flughäfen mit einem Etikett versieht und im Kofferraum verstaut, dann steige ich in den Reisebus. Es ist noch nicht einmal Sechs, aber ich fühle mich bereits jetzt ausgelaugt. Im Bus, der noch vollkommen leer ist, als ich einsteige, erwartet mich eine positive Überraschung: ich habe einen Fernseher im Sitz! Türkisches MTV, melodramatische Telenovelas, merkwürdig synchronisierte Hollywoodfilme!

Ich atme tief durch. Schaue wieder auf die Uhr. 9:05. Die Zeit lässt mir wirklich keine Gnade. Ich stehe hier, irgendwo im Nichts, und weiß weder, wo ich hinmuss, noch, wo genau ich gerade bin oder wo ich war, bevor ich von dem netten Busfahrer, der festgestellt hat, dass ich vom Busbahnhof den falschen Shuttle genommen habe, in diesen Bus gesetzt wurde. Ehrlich, wenn meine Ankunft in Antalya damals chaotisch war, dann ist meine Ankunft in Istanbul eine komplette Katastrophe. Ich bin übermüdet, ich habe keinerlei Orientierung, ich weiß nicht, wo ich hinmuss, ich bin zu spät. In fünfunzwanzig Minuten beginnt die Eröffnungsveranstaltung an der Yeditepe-Universität und ich befinde mich hier mit meinen beiden superschweren Koffern, die ich eigentlich in Kadıköy bei einer Freundin unterstellen wollte, ehe ich zur Uni muss, im Nichts. Oder vielleicht auch nicht, das weiß ich ja eben nicht. Noch einmal tief durchatmend raffe ich meine Kräfte und meine Koffer und ziehe los. Was soll’s, denke ich mir, ich nehme mir einfach ein Taxi. Ich verlasse den kleinen Bushof und steuere zunächst ein paar Schritte nach rechts, wo auf einer großen Stadtautobahn die Fahrzeuge an mir vorbeirasen. Nein, eher nicht, entscheide ich, und gehe stattdessen nach links, und tatsächlich, nach ein paar hundert Metern finde ich tatsächlich ein Taxi. Zwanzig Lira, so der Fahrer, kostet die Fahrt zur Uni. Ich verlange die Verwendung des Taximeters. Am Ende zahle ich dreißig.


İstanbul’da | In Istanbul

Die Yeditepe Üniversitesi ist groß. Ich weiß nicht, ob ich schon einmal erwähnt habe, dass es sich bei ihr um eine der vielen privaten Universitäten in Istanbul handelt, aber man sieht ihr an jeder Ecke an, dass die Architekten und Betreiber eine Menge zur Verfügung haben. Um das große Eingangstor passieren zu können, muss man durch einen Metalldetektor gehen und dem Sicherheitspersonal im Vorbeigehen den Studentenausweis zeigen. Auf dem Campus, der sehr grün gehalten ist und von diesen modernen Häusern im hässlichen Orange dominiert wird, muss man zunächst einmal einen Hügel hinuntersteigen, um zu den Lehrgebäuden zu kommen – allerdings kann man dies auch mit einem der vielen Minibusse tun, die dort ständig im Kreis fahren und alle lauffaulen Studenten (entschuldigt die Wortwiederholung) an ihre Ziele bringen. In den einzelnen Fakultätsgebäuden gibt es auch noch einmal überall Security an den Eingängen, allerdings meist in Form eines oder zweier Wachmänner hinter einem Schreibtisch. Und dann die Hunde! Überall auf dem Campus gibt es große Hunde. Schwarze, braune, gelbe, zottelige und kurzhaarige. Allesamt zahm und wohlgenährt und tierisch faul.

 „Daniel?“ Meine Stimme klingt genauso überrascht, wie der junge Mexikaner, der sich auf meinen Ausruf hin umdreht, aussieht.
„Hey, was machst du denn hier?“ Er kommt auf mich zu und umarmt mich.
„Ich wohne hier.“ Mit einer Hand deute ich auf das Zimmer, das ich gerade verlassen habe – den Mädchenschlafsaal mit sechs Betten im Hush Hostel. Wir unterhalten uns ein paar Minuten lang über unsere individuellen Reisen nach Istanbul – wir haben gemeinsam den Sprachkurs in Antalya gemacht und sind dort so etwas wie Freunde geworden – und er eröffnet mir, dass auch ein paar andere Sprachkursteilnehmer im Hostel untergebracht sind und waren. Es ist noch immer mein erster Tag in Istanbul, ich bin noch immer müde – und dennoch entscheide ich, seine Einladung, gemeinsam mit ihm und zwei seiner Bekannten aus dem Hostel essen zu gehen, anzunehmen. Man muss sich ja immer sozialisieren. Wenn ich doch zu diesem Zeitpunkt schon gewusst hätte, wie unglaublich bezeichnend dieses Wort für meine ersten Wochen in Istanbul werden würde.

Das erste, das mir auffällt, als ich in den Flur trete, sind Massen an Schuhen. Frauenschuhen. Sie stehen auf Regalen entlang der Flurwand, bestimmt fünfzig Paare. Meine potentielle Vermieterin, die sich als Burcu vorgestellt hat, lächelt entschuldigend, als sie sieht, wie ich ihre Sammlung mustere, dann zeigt sie mir ihre Wohnung. Ich habe die Annonce für dieses Apartment nicht auf Craigslist gefunden, wie viele andere meiner Erasmuskollegen, sondern bei Couchsurfing. Das Zimmer, welches ich mir hier anschaue, hat mir auch auf den Bildern im Internet sofort gefallen. Die Wohnung ist klein, aber liebevoll eingerichtet und sauber. Bad und Küche sind in gutem Zustand, es gibt alles, was das kochende Herz begehren könnte und der riesige Kühlschrank ist so gut wie leer. When will you tell me if you take the room?, fragt mich Burcu am Ende ihrer kleinen Tour. Wann wirst du mir mitteilen, ob du das Zimmer nimmst? Ich lächle nur, ein wenig verlegen. Ich habe mich bereits entschieden es zu nehmen, antworte ich ihr.

Das Büro meiner Fachbereichkoordinatorin, das eigentlich nur ein halbes Büro ist, ist in erster Linie eines: pink. Rechts von ihrem Computer befindet sich ein pinkes Drehscheibentelefon, links stehen in einem Stiftehalter Hello-Kitty-Schreibutensilien. An der Pinnwand neben dem Schreibtisch hängen Kinderzeichnungen. „Ich schreibe gerade an meiner Doktorarbeit“, erzählt uns die Koordinatorin, die neben ihrem blondierten Haar und der dichten Parfümwolke auch noch über ein perfekt durchkomponiertes Outfit in den schönsten Pastelltönen verfügt, während sie darauf wartet, dass einer der Professoren sie anruft. Sie will ihn fragen, ob Iva – eine tschechische Kommilitonin – und ich einen der Kurse ihrer Abteilung belegen können, ob er in Englisch angeboten wird. Die letzten Tage waren in dieser Hinsicht mehr als ermüdend. Ich will eigentlich nicht mehr Zeit als nötig in diesem Büro verbringen, weil die gute Koordinatorin jeden Tag gegensätzliche Aussagen und Informationen für uns bereithält, aber dies alles hinter ihrer lieben Fassade kaschiert. Und doch bin ich nun schon das fünfte Mal hier und muss meinen Stundenplan schon wieder überarbeiten, damit das Learning Agreement unterschrieben werden kann. Bürokratie ist einfach wundervoll.

“Do you think it is inappropriate to lie down here?”
Ich zurre unsicher an dem unfamiliären Stoff auf meinem Kopf, während ich bewundernd an die Decke der Blauen Moschee schaue, und denke über Christiaans Frage nach. Ob es unangebracht ist, sich in einer Moschee im Touristenbereich auf den Boden zu legen? Nun, wer weiß.  Fakt ist, dass mich die Antwort in keinem Fall wirklich davon abhält, mich einfach auf den Boden zu legen, und das tue ich. Und so liegen wir schlussendlich nebeneinander in der berühmtesten aller Moscheen, dem Heiligtum des Islams, und bewundern die Fliesenmosaike an der Decke, die so blau nun auch wieder nicht sind. 
 


 







 


Donnerstag, 7. Juni 2012

certificate of enrolment

Ich bin gerade begeistert vom Büro für die "Incoming Students" an der Yeditepe. Gestern schrieb ich denen nämlich eine Mail mit der Bitte, mir doch das "Certificate of Enrolment", das ich für den BAFöG-Antrag benötige, auszufüllen und sobald wie möglich per Post zuzusenden - heute hatte ich bereits eine Antwort im Posteingang, die mir mitgeteilt hat, dass das im Anhang zu findende Dokument (per Hand ausgefüllt und eingescannt) morgen in die Post gehen wird. Ich hatte mich schon auf ein paar Wochen Wartezeit eingestellt, aber nein - hoch lebe die Bürokratie an dieser Uni! (Und jetzt bitte dreimal auf den Tisch klopfen, dass das auch so bleibt.)



Mini-Weblog-Eintrag-Ende.

Dienstag, 5. Juni 2012

und sie rennt.

Da dachte ich noch vor nicht einmal zwei Wochen: ach, immerhin sind es noch fast zweieinhalb Monate. 
Nun ja, das hat sich dann jetzt erledigt. Heute ist der 5. Juni, was bedeutet, dass ich heute in zwei Monaten abreisen werde, sollte ich einen Platz in einem der zwei Sprachkurse bekommen. 
Ich wiederhole, nur aus Gründen der Deutlichkeit. 
Zwei Monate. 
Achteinhalb Wochen. 
Sechzig Tage. 
Um es mal in meiner gewohnt niveauvollen alltagssprachlichen Ausdrucksweise zu sagen: Krasse Scheiße!
Ich habe hier unten mal eine Liste an Dokumenten gemacht, um die ich mich in den nächsten Wochen unbedingt noch kümmern muss. Einfach, damit sich jeder, der sich ausdenkt, dass ein Auslandssemester doch etwas Feines wäre, im Klaren darüber ist, auf was er sich da einlässt. 


Also: 
  • Bafög-Antrag vervollständigen und abschicken
  • Visum beantragen 
  • Urlaubssemester beantragen 
  • Erasmus-Stipendium beantragen
  • Auslandskrankenversicherung
  • Kreditkarte beantragen 
  • An der Yeditepe direkt bewerben

Edit: Habe gerade den Countdown auf der rechten Seite angebracht, allerdings ist der Endzeitpunkt 0:00 Uhr am entsprechenden Tag. Verschafft jedenfalls einen schönen Einblick, wie wenig Zeit mir noch bis zur Abreise bleibt. Erschreckend!

Dienstag, 29. Mai 2012

das wölkchen in istanbul

Nun stellt sich also bei einem so aufmerksamkeitsheischenden Namen für den Weblog die Frage: worum geht es eigentlich? - Was wiederum einen erklärenden und vorstellenden Beitrag naheliegend macht.
Die Antwort ist in der Tat sehr simpel. 
Ich bin Studentin in Leipzig und werde als solche im kommenden Wintersemester sechs Monate lang in Istanbul studieren. Während dieser Zeit werde ich diesen Weblog möglichst aktuell halten - und damit hat es sich auch schon. Das große Mysterium ist geklärt. Die geheimnisvolle Formulierung meines persönlichen Projekts hat sich als gar nicht so geheimnisvoll herausgestellt. Aber so ist das mit der Realität, gewöhnen Sie sich daran. 
Wenn ich davon erzähle, dass ich nach Istanbul gehe, kommt natürlich sehr häufig die Frage: Warum Istanbul? Warum ausgerechnet die Türkei mit ihrem Islam, warum die Türken mit ihrem patriarchalischen Weltbild, warum nicht ein Land wie Spanien oder Schweden? 
Ich möchte an dieser Stelle einmal betonen, dass ein Jeder, der versucht, mit solch abgedroschenen, pauschalisierenden und absolut vorurteilsbelasteten Argumenten zu mir durchzudringen, davon ausgehen kann, dass ich die Unterhaltung nach einem solchen Einwand sofort beende. Ich bin kein Freund von schubladendenkenden Scheuklappenträgern, und im Anbetracht der Tatsache, dass ich mich für meinen Geschmack schon viel zu viel mit solchen Menschen herumschlagen musste, kann man mir sicherlich nicht verübeln, wenn ich weiteren Kontakt möglichst zu meiden versuche. 
Aber um zu der Sache dennoch ein Statement abzugeben, bevor ich wieder auf das Thema zurückkomme: ich habe, und das ist mein voller Ernst, absolut keine Vorstellungen von dem, was mich in der Türkei erwartet. Vielleicht wird es gut, vielleicht nicht, vielleicht wäre es realistisch, das Schlechteste zu erwarten, vielleicht wäre es das nicht. Wer kann das jetzt schon sagen? Also habe ich für mich beschlossen, optimistisch zu sein, weil die Art, wie man eine Sache angeht, schon sehr viel über die Art sagt, wie sie ausgeht. 
So, und nun wieder zum Projekt, vor allem auf terminliche Aspekte: 
vor dem eigentlichen Semester werde ich (hoffentlich) einen Sprachkurs in Antalya oder Kocaeli besuchen, der vier Wochen dauert und Anfang August beginnt. Kocaeli, für diejenigen, die es nicht wissen, ist eine Stadt in der Nähe von Istanbul, Antalya liegt direkt am Mittelmeer. 
Anfang September beginnt dann das Semester an der Yeditepe Universitesi, das ist eine zweisprachige private Hochschule im Istanbuler Stadtteil Ataşehir, für die ich als Erasmus-Stipendiatin ausgewählt wurde. Bisher steht noch nicht fest, ob und wo ich den Platz im Sprachkurs bekomme, ich werde diesbezüglich allerdings hier etwas dazu posten, sollte sich etwas Neues ergeben. Es gibt generell noch viele Dinge, die offen sind: ob und wie viel Auslands-BAFöG ich bekomme, wo ich wohne, was für Kurse ich belege. Das wird sich alles in den nächsten Wochen klären, hoffe ich. 
Hinzu kommt, dass die Wohnung, die ich mir im Augenblick mit einer Freundin teile, aufgelöst wird, und ich nebenbei auch noch das Semester zu schaukeln habe. Alles machbar, natürlich. Ich werde aber dennoch froh sein, wenn sich alle Unklarheiten schlussendlich gelegt haben und ich im Flieger nach Istanbul sitze. Oder wo auch immer ich den Sprachkurs besuchen werde.